„Wenn der Funke einmal übergesprungen ist, werden Textilien wahrlich zu einer Leidenschaft.“ — Interview mit Eric Kuster —

Nach zwei Jahren Erfahrung in der Modebranche tauchte der aus den Niederlanden stammende Innenarchitekt Eric Kuster erstmals in die Welt der Textilien ein. Kuster schloss eine Ausbildung im Marketingbereich ab, bevor er seine Designkarriere 1989 als Kreativ- und Vertriebsdirektor bei Chivasso, einem niederländischen Textilunternehmen, das für seine kontrastreichen, klassischen Linien mit modischer Optik bekannt ist und eine Auswahl von luxuriösen Textilien für die Innenausstattung anbietet, begann. Für diese Brand hat Eric Kuster eine zweite Textilkollektion eingeführt – Carlucci. Diese wurde schnell zur damals erfolgreichsten Stoffkollektion in den Niederlanden.

„Wenn der Funke einmal übergesprungen ist, werden Textilien wahrlich zu einer Leidenschaft.“ — Interview mit Eric Kuster —

Beitragsbild oben: Privatkino in einem Landhaus aus dem 15. Jahrhundert- Wandbespannung: ‚City Velvet‘, Sofa Bezugstoff: ‚Space Velvet‘

 

Eric Kuster: „Es war ein Zufall. Als mich Richard James Schutte, Miteigentümer von Chivasso, ansprach, dachte ich noch, dass Textilien nicht gerade sexy wären. Ich würde meinen, dass Textilien für viele Endnutzer auch heute noch nicht greifbar sind, weil sie kein Endprodukt sind. Wir haben uns intensiv mit Textilien befasst, besuchten viele Weber, Fabriken, Textildrucker, Lieferanten. Recht bald ließ mich das Thema nicht mehr los – Wenn der Funke einmal übergesprungen ist, werden Textilien wahrlich zu einer Leidenschaft. Ich liebe Textilien.“

pdf pag 56↑ Villa am Genfer See – „Luxus ist für mich längst nicht mehr gleichzusetzen mit Glamour. Ich denke daher, dass der neue Luxus vielmehr ein Nicht-Luxus ist, wie zum Beispiel Seidenteppiche, denen man nicht sofort ansieht, dass sie aus Seide sind.“ Sofa Bezugstoff: ‚Luxury Velvet‘, Vorhang: Mont Royal‘, Gardine: ‚Sophie‘
pdf pag 11↑ Resort Villa in Altea, Spanien – Gardine: ‚Carex‘, Vorhang: ‚Stone Washed‘

 

Eric Kuster gründete 1999 seine eigene Marke und eröffnete einen Laden in Laren, einem kleinen Ort an der holländischen Goldküste. Wegen seiner hochwertig verarbeiteten Möbel, Beleuchtungen und Textilien wurde der Laden schnell zu einer Lifestyle-Destination. Kuster reist sehr viel und genießt den Komfort und die elegante Atmosphäre in zahlreichen Weltklassehotels. Zu seinen bevorzugten Destinationen gehören das Address Hotel in Dubai, das Four Seasons in Hong Kong, das Costes Hotel in Paris, das Sixty Thompson in New York und das Belgrave Hotel in London – eine unendliche Liste von Hotels an unterschiedlichen Orten. Genau dieses komfortable, luxuriöse Lebensgefühl, das diese Hotels vermitteln, wollte Kuster seinen Kunden nahebringen.

„Ich bin nicht an einen Ort gebunden“, sagt Kuster. „Fast jede Nacht ist mein Zuhause ein anderes Hotelzimmer. Ich mag Hotels und ich wollte dieses Gefühl des großstädtischen während eines angenehmen Hotelaufenthaltes in meinem Laden anbieten. Die Interior Magazine – einschließlich der großen niederländischen Magazine ‚Living’ und ‚Residence’ – haben sehr enthusiastisch auf das neue Konzept reagiert.“

Kuster lancierte seine erste eigene Möbelkollektion 2005, die zunächst handgemachte Luxusmöbelstücke für das obere Marktsegment umfasste. Anschließend expandierte seine Marke mit Stoffen und einer Teppichkollektion. Mit Projekten in unter anderem Marbella, Dubai, Moskau und Bali gewann er sehr schnell internationales Ansehen im Interiordesign. Besonders bemerkenswerte Projekte sind der exklusive Club „Jimmy Woo“ in Amsterdam und das „Nou Camp“ Fußballstadion in Barcelona. Neuerdings haben sich seine Kollektionen auch in der Mittelmeergegend, im Nahen Osten, Afrika und Asien verbreitet. Die Reichweite der privaten und kommerziellen Projekte reicht von Konzepten für Häuser, Hotels, Restaurants über Boote, Flugzeuge und Büros.

„Wir haben Hunderte von Marken hier. Wir arbeiten mit sehr klassischen Marken wie Ralph Lauren, Mulberry, Lizzo, aber auch sehr modernen Marken wie Zimmer+Rohde, Tea Dahl, Jab Anstoetz und natürlich Chivasso zusammen. Gerade kam die gesamte Kollektion von Armani Casa sowie Hermès Casa dazu. Ich verkaufe auch Flexform und Minotti Sofas, aber ich passe sie meiner eigenen Marke an. Über sechzig bis siebzig Prozent sind meine eigene Kollektion. Ich habe meine eigene Farbpalette zusammengestellt. Sie setzt sich aus vielen natürlichen Farben, Grau- und Beigetönen, Weiß, Naturstein, Sand und Brauntönen, zusammen. Manchmal nutzen wir auch Orange, Violett, Olivengrün, aber eher für die Details. Unsere Palette ist jedenfalls überwiegend ziemlich blass, sehr maskulin. Ich nenne sie ‚very Tom Ford’.“

pdf pag 27↑ Wohnung in Las Vegas – Kissen: ‚Two Tone‘, Sofa Bezugstoff: ‚New York Velvet‘

„Der neue Luxus ist: Keinen Luxus zeigen“

„Bei Stoffen bevorzuge ich ein einfaches Erscheinungsbild”, führt Kuster weiter aus. „Ich favorisiere Leinen, Samt und Seide. Besonders deren Kombination gefällt mir: sehr, sehr reiner und grober Leinenstoff, anschmiegsam weicher Samt und besonders luxuriöse Seide, alle in der gleichen Farbe. 99,9 Prozent unserer Textilien sind einfarbig. Muster verwende ich kaum. Die „Bling-Bling“-Ära vor ungefähr zwölf Jahren, als ich das Sofa mit Swarovski-Steinen verziert habe, mochte ich sehr. Seinerzeit war das revolutionär und so wurde es Teil meiner persönlichen Signatur. Aber der Geschmack entwickelt sich weiter. Mein Stil wurde deutlich internationaler, eben „Metropolitan Luxury“. Luxus ist für mich längst nicht mehr gleichzusetzen mit Glamour. Ich denke daher, dass der neue Luxus vielmehr ein Nicht-Luxus ist, wie zum Beispiel Seidenteppiche, denen man nicht sofort ansieht, dass sie aus Seide sind. Eine Art ‚stiller’ Luxus, der sich nicht zur Schau stellt. Ich denke, zukünftig werden meine Designs mehr Ethnoeinflüsse aufweisen. Das wird wohl mein neuer Stil werden – Ethnomotive, wie die aus der marokkanischen, arabischen und afrikanischen Kultur. Dennoch werde ich immer natürliche Materialien verwenden: reines Leinengewebe, pure Seide und weiches Leder.“

pdf pag 105↑ Wohnung in Ibiza, Spanien – „Sehr, sehr reiner und grober Leinenstoff gefällt mir“ – Kissen: ‚Vintage Washed‘, Gardine: ‚Louvre
pdf pag 104↑ Wohnung in Ibiza, Spanien – „Eine Art ‚stiller’ Luxus, der sich nicht zur Schau stellt. Ich denke, zukünftig werden meine Designs mehr Ethnoeinflüsse aufweisen“

 

Auf seinen zahlreichen Reisen begegnen Kuster eine Vielzahl von Stilen, die seine Arbeiten beeinflussen. Seine Marke „Eric Kuster Metropolitan Luxury“ spiegelt somit auch ihn als Person wider: elegant, aber avantgardistisch; glamourös, aber kultiviert und weltgewandt, und immer mit dem Fokus auf Komfort. Kuster gibt dem klassischen europäischen Design einen modernen Twist.

„Ich bin ein europäischer Designer. Europäische Traditionen und Handwerkskunst sind wichtige Bestandteile meiner Kollektionen. Ich mag keine Trends. Meines Erachtens sollte die Innenausstattung eines Raumes zehn bis 15 Jahre Bestand haben. Daher verwenden wir klassische und zeitlose Möbel und Materialien. Ich glaube nicht, dass es noch große Trends im Interiordesign gibt. Aber es gibt viele verschiedene Trendströme, die nebeneinander bestehen. Die Shops sehen heutzutage in vielen Ländern gleich aus. Daher ist es essenziell zurück zu den eigenen Wurzeln und Traditionen zu gehen. Ich nutze stets meinen europäischen Hintergrund und reichere ihn mit lokalen Einflüssen an. Wir haben zum Beispiel für ein Projekt in Thailand viele lokale Materialien Tische und landestypische Accessoires verwendet. Wir haben einige Häuser auf Ibiza gemacht. Die Bevölkerung dort schätzt den unkonventionellen Hippie-Look sehr. Außerdem bringe ich gerne Antiquitäten mit ein.“

Es muss noch viel für die Aufmerksamkeit von deutschen und niederländischen Textil-Marken getan werden.

„Ich habe zwei Jahre lang in Deutschland gelebt, war auch für Chivasso viel in Deutschland unterwegs und daher kenne ich den deutschen Markt recht gut. Deutschland ist ähnlich wie der niederländische und der nordeuropäische Markt: Die Leute haben kein richtiges Bewusstsein für Textilien entwickelt. Wenn man das zum Beispiel mit dem britischen Markt vergleicht funktioniert dieser ganz anders. Der Markt ist sehr viel textilorientierter. Die Menschen nutzen deutlich mehr Textilien im Heimbereich. Das Gleiche gilt für die USA. Ich denke der UK- und der New Yorker Markt sind die weltweit größten für Textilien. Es gibt daher noch viel Potenzial und Spielraum, um auf die deutschen und niederländischen Textil-Marken aufmerksam zu machen.“

pdf pag 67↑ Villa am Genfer See – Eric Kuster nutzt Textilien primär dekorativ, verliert ihre Funktionalität, wie akustische Verbesserung, Isolation oder Sonnenschutz, jedoch nie aus den Augen.

„Die meisten unserer Projekte beginnen bereits mit dem Bau eines Gebäudes. Der ganze Prozess kann von den ersten Überlegungen und Zeichnungen der Architekten, der Konstruktion des Gebäudes selbst bis zur letzten Phase der Inneneinrichtung zwei bis drei Jahre dauern. Das ist ein langer Weg – gemeinsam mit dem Kunden – bis zum fertigen Ergebnis. Daher braucht man auch eine Verbindung zueinander – fast wie in einer Ehe“, lächelt Eric Kuster. „Zum Glück sind die meisten meiner Kunden self made‘ . Sie haben dank ihrer positiven Einstellung und ihrer Leidenschaft viel im Leben erreicht und sind dennoch bodenständig geblieben. Das ist es, was mich so an ihnen beeindruckt. Ich würde nur zu gerne die Inneneinrichtung für David und Victoria Beckham übernehmen. Sie gehören wohl zu den bekanntesten Paaren der Welt und sind außerdem eine der besten Brands.“

Lieben Dank an Eric Kuster für den persönlichen Einblick. (Designtextiles)

pdf pag 136↑ Landhaus aus dem 15. Jahrhundert
pdf pag 74↑Wohnung in Rotterdam, Niederlande – Vorhang: ‚Venus‘, Sofa Bezugstoff: ‚New Casual Velvet‘, Lounge Stuhl Bezugsstoff: ‚Belong‘
pdf pag 79↑ Wohnung in Rotterdam, Niederlande
pdf pag 200↑Villa in Mauritius

pdf pag 198↑Villa in Mauritius

 

A pdf pag 21↑ Resortvilla in Altea, Spanien – Bezugsstoff: ‚Columbia‘
pdf pag 142↑Wohnung in Rotterdam
pdf pag 127↑ Eric Kusters eigene Marke ‚Eric Kuster Metropolitan Luxury‘
_MON2871↑ Eric Kuster

 

Copyright: Anita Hackethal, Architonic
Bilder: Eric Kuster Metropolitan Luxury

 
 
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