Richard Hutten sagt ‚Textiles‘

Richard Hutten ist bekannt für seinen spielerischen Umgang mit Design. Er ist immer darauf bedacht, Dingen etwas Frisches und Aussergewöhnliches zu verleihen und dem Vorhandenen neue Möglichkeiten hinzuzufügen. In seinen Arbeiten drückt sich Huttens persönliche Signatur aus, die als optimistisch, unterhaltsam, freundlich und überraschend beschrieben werden könnte. Architonic hat den niederländischen Designer getroffen, um rauszufinden welches Material er bevorzugen würde, wenn er sich in den nächsten drei Jahre auf eines beschränken müsste.

Richard Hutten sagt ‚Textiles‘

Richard Hutten – Foto © Architonic

Richard Hutten: „Das ist eine schwere Frage. Ich mag alle Materialien und ich schränke mich nicht gerne ein. Ich schätze die Freiheit, tun zu dürfen, was immer ich will. Dementsprechend probiere ich Vieles aus. Die Entscheidung würde auch davon abhängen, was ich in den nächsten Jahren entwerfen werde. Eines meiner favorisierten Materialien ist Holz, weil es ein warmes Material ist. Das kann jede Art von Holz sein, solange es nicht dem Regenwald schadet, ist es in Ordnung für mich.“
„Andererseits überlege ich,“ setzt Hutten fort, „welches Material mir die meisten Möglichkeiten bieten würde und geringsten Einschränkungen mit sich bringt. Letztendlich sind das wahrscheinlich Stoffe. Auch wenn es keinen spezifischen Stoff gibt, den ich auswählen würde. Bei den Marken würde ich Kvadrat wählen, bin aber schlussendlich nicht festgelegt. Ich bevorzuge Naturfasern und meide Polyester oder andere synthetische Stoffe.“
„Wir haben viele Polstermöbel für verschiedene Kunden entworfen und daher viel Erfahrung mit
Textilien. Da gibt es beispielsweise den ‚Layers Cloud‘ Sessel für Kvadrat, dann haben wir kürzlich den ‚Satellite‘ Stuhl für Offecct und den ‚X-­Chair‘ für Moroso präsentiert. Vor nun fast zehn Jahren haben wir gemeinsam mit dem italienischen Teppichunternehmen I + I in Mailand eine Neuinterpretation des traditionellen Perserteppichs mit dem Namen ‚Playing with Tradition (mit der Tradition spielen)‘ geschaffen.“

Übersicht der Produkte des Designers Richard Hutten

 

„Die Wahl der Materialien hängt auch vom Kunden ab. Ich habe Projekte für Christopher und Skultuna gemacht, wobei erstere ausschliesslich Sofas herstellen, letztere Blech verarbeiten. Die Wahl der Materialien liegt somit manchmal auf der Hand. In anderen Fällen erarbeiten wir gemeinsam ein Konzept und suchen anschliessend nach dem passenden Material. Ich mag es, alle Möglichkeiten auszuprobieren, bevor ich eine Entscheidung treffe.“

Satellite Chair für Offecct, 2015.

 

Dieser Drehstuhl mit seinen spielerischen Eigenschaften und hohem Komfort wurde für vielgenutzte Räume entworfen – für einen digitalen Lifestyle.
„Architekten zeichnen oft Kreise, um auf den Grundrissen schnell die Punkte zu markieren, an denen die Stühle positioniert werden sollen. Diese Geste brachte mich auf die Idee, den Stuhl so zu gestalten, dass seine Draufsicht einen Kreis bildet. Der Kreis ist für mich eine elegante Form. Es gibt keine sperrigen Ränder und er kann sich in alle Richtungen bewegen, er ist somit nie fehl am Platz“, sagt Richard Hutten.

X-Chair für Moroso, 2015
Wie der Name schon sagt, hat dieser freundliche Stuhl auf der Rückenlehne ein ikonisches Verbindungsstück in X­-Form, das aus zwei ineinandergreifenden Holzstücken besteht.
„Generell würde ich sagen, dass warme Materialien an Bedeutung gewinnen, denn die Welt scheint immer verrückter zu werden – viele Ungewissheiten, Terroristen… Unser Zuhause wird immer mehr zum Zufluchtsort, an dem man sich frei, geborgen und glücklich fühlt. Ich bin überzeugt, dass Textilien zu dieser Behaglichkeit und Wärme beitragen können. Andererseits bin ich gerade aus Dubai zurückgekommen. Dort wird Wolle, wahrscheinlich aufgrund der Hitze, verabscheut. Es gibt offenbar lokale Differenzen. Ich persönlich finde ja, dass Wolle auch in der Hitze gut funktioniert, aber in Dubai herrscht wohl eine anderer Meinung. In Europa sind einfarbige Textilien weit verbreitet. Ich mag beides, sowohl einfarbige als auch gemusterte Stoffe. Ich finde die niederländische Firma Febrik interessant, die 3­D­-Textilien herstellen, die gedehnt werden können. Da öffnen sich wieder neue Möglichkeiten für die Designer. Eine weitere, ziemlich wichtige Qualität von Textilien, die oft in Vergessenheit gerät, ist die Verbesserung der Raumakustik.“
‚Ein Material dass ich sofort verwerfen könnte? Alles was zu umweltschädigend ist, würde ich nicht verwenden.’ Hutten
Halo Stuhl für Artifort, 2014
Dieser eigensinnige kleine Stuhl verleiht jeder Inneneinrichtung einen fröhlichen Akzent. Seine Form ist vollständig aus Kreisen entstanden.
„Ich glaube, dass wir in Zukunft mehr recycelte Textilien brauchen und da ist noch einiges zu tun. Ich würde liebend gerne mit wiederverwertbaren Stoffen arbeiten. Es wäre interessant, wenn man bei einem Objekt noch fühlen kann, dass es recycelt ist, gleichzeitig sollte es sexy und attraktiv sein. Aber wie gesagt, das Thema verlangt noch jede Menge Recherche. Mir ist es wichtig, Geschichte zu bewahren, die Tradition von Textilien, und diese im nächsten Schritt in etwas Neues zu verwandeln. Das wäre die Herausforderung der ich mich selbst stellen würde.“
Dandelion Hängeleuchte für Moooi, 2003
„Getreu ihres Namens,“ sagt Hutten, „wurde Dandelion inspiriert von der allbekannten Pflanze, deren leichte, in Form einer Kugel zusammenstehende Samen bei einem Windschwall weggepustet werden. Die Lampe vermittelt ein explosives Gefühl von Energie in Bewegung.“
This Than That Chair für Lensvelt, 2006
Diesen ultraleichten Schreibtischstuhl entwickelte Richard Hutten gemeinsam mit einem Ergonomen nach umfassender Recherche zur optimalen Form der Sitzfläche. Somit könnte man stundenlang bequem drin sitzen.
Satellite Chair für Offecct, 2015.

 

Playing with tradition (Mit Tradition spielen) Teppich (rund) für I+I Milan, 2007

 

Dieser handgeknüpfte Woll­ und Seidenteppich ist eine Neuinterpretation eines persischen Teppichs. Die Idee war es eine Verbindung zwischen alt und neu zu schaffen – eine Art „Ost trifft West“.
Aperativo für Royal Leerdam Crystal, 2009

 

Dieser Dildo auf dem Stiel eines Trinkglases dient als Appetizer und dazu, in die richtige Stimmung zu kommen, was ihn eher zu einem Anti­Dildo macht.

 

Hutten Copier Vase, 2015
Die Copier Vase ist von den Glasarbeiten von Andries Dirk Copier inspiriert und wurde von Hutten für das Nationale Glasmuseum und das Het Nieuwe Instituut in Rotterdam entworfen.
Rhino Chair Layer (Limitierte Edition), 2008

 

Layers Cloud Chair für Kvadrat (Limitierte Edition), 2014
Dieses handgefertigte Einzelstück wurde zu einem Sessel der Zahlen. 400 Stunden für den zeichnerischen und ingenieurtechnischen Entwurf, 1,5 Monaten für die manuelle Produktion und über 800m2 Wolle, die Schicht für Schicht aufgetragen wurde, benötigte man, um diesen „Layers Cloud Chair“ herzustellen, der fast 300 Kilogramm wiegt.
Detail des Layers Cloud Chair für Kvadrat
„Der ‚Layers Cloud‘ Sessel für Kvadrat war ein verrücktes Projekt. Ich wurde gebeten, Divina zu verwenden, einen der ikonischen Stoffe von Kvadrat, der normalerweise als Bezugstoff verwendet wird. Aber ich dachte, es wäre ein Versuch Wert, das ganze Produkt komplett aus diesem Material zu bauen. Eine Qualität der Divina Wolle mochte ich besonders – das Material fühlt sich sehr gut an. Man will es einfach anfassen und fühlen. Letztendlich haben wir 100 von den 130 leuchtenden Farben der Divina Palette verwendet.“
Cloud Chair (Vernickeltes und poliertes Aluminium, Limitierte Edition), 2007

 

Thunderball Light (Lackiertes, faltbares Stahlblech) für Gispen, 2004
Der Nutzer bestimmt die gesamte Form, die aus miteinander verbundenen Hexagonen besteht, indem er die zunächst flachen, faltbaren Stahlbleche zurechtbiegt.
Book Table (Limitierte Edition), 2007
Hunderte von Büchern sind bedeckt mit einer weichen, glänzenden Harzschicht, die vom Tisch herunterzutropfen zu scheint.
3 minus 1 Kabinett (Limitierte Edition), 1998
Die Form des aus Birke und Nussbaum hergestellten Kabinetts reflektiert Huttens spielerischen Umgang mit Design.
Sexy Relaxy easy chair (UV beständiger Kunststoff, Limitierte Edition) für E&Y Tokyo, 2000
Dieser Loungesessel für den Innen­- und Aussenbereich kann wahlweise mit einer integrierten Lichtquelle ausgestattet werden.

 

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Text © Architonic

 
 
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