Wettbewerb „Textile Strukturen für neues Bauen“

Anlässlich der Techtextil, die vom 4. bis 7. Mai 2015 in Frankfurt am Main stattfand, prämierte der Studentenwettbewerb „Textile Strukturen für neues Bauen“ bereits zum 13. Mal innovative Ideen zum Bauen mit Textilien und texilarmierten Werkstoffen. Eine internationale Jury aus renommierten Bauingenieuren und Architekten vergab sieben Preise sowie eine lobende Erwähnung.

Wettbewerb „Textile Strukturen für neues Bauen“

Die meisten Beiträge enthielten inspirierende Elemente, erweiterten die webtechnischen Anwendungsmöglichkeiten, integrierten multiphysikalische oder hybride Konstruktionen, demonstrierten Kreativität, innovative Erscheinungsformen und Maßstabsveränderung sowie technischen Fortschritt und poetische Interpretationen. Die Jury vergab drei Preise in der Kategorie Material Innovationen, jeweils zwei Preise in den Bereichen Composites und Hybridstrukturen sowie Makro-Architektur und eine lobende Erwähnung für ein Projekt der Mikro-Architektur.

Gerne zeigen wir eine Auswahl der prämierten Projekte:

 

Breathing
Breathing Skins

1. Preis in der Kategorie Composites und Hybrid-Strukturen

Tobias Becker, Universität Stuttgart

Mit dem Projekt „Breathing Skins“ wird die Fragestellung untersucht, wie Gebäudehüllen in unserer zukünftigen Lebens- und Arbeitswelt wirken. Nutzer, die auf spezifische Bedingungen ihrer Umgebung reagieren möchten, stehen im Zentrum der Betrachtung. „Breathing Skins“ stellt einen Raumabschluss auf anschauliche Weise nicht als Grenze, sondern als aktives Austauschmedium dar: Variable Perforierungen in der extrem leichten Gebäudehülle regulieren den Luftaustausch, Oberflächentemperaturen sowie Licht- und Schallverteilungen. Den Grad der Porosität bestimmt der Nutzer selbst. Alle Einzelteile des Fassadenelements sind vollständig zerlegbar und können separat rezykliert werden. Neben dem konzeptionellen Ansatz des Projekts würdigte die Jury die überzeugende gestalterische Umsetzung funktionaler Aspekte, die den menschlichen Sinnen zugänglich gemacht werden. Die Entwicklung eines gesunden Raumklimas wird in Einklang gebracht mit einer einzigartigen Raumerfahrung.

 

chromosonicChromosonic

1. Preis in der Kategorie Material Innovationen

Judit Eszter Kárpáti, Moholy-Nagi University of Art and Design, Budapest

Der Beitrag „Chromosonic“ überzeugte die Jury nicht nur durch seine Innovation, sondern auch durch die Art der Präsentation. „Chromosonic“ ist ein Projekt, das zwischen Materialforschung und Kunst einen Beitrag zur Visualisierung von Akustik leistet. So erzeugen Schallquellen elektrische Spannung. Diese erwärmt das Material, das wiederum optisch reagiert. Durch haptische Interaktion des Betrachters können diese Prozesse überlagert und manipuliert werden. Das Material wird so zu einer ästhetischen Metapher für die Komplexität und Interaktion von Systemen.

 

loop2LOOP

2. Preis in der Kategorie Material Innovationen

Selma Durand , Young Professional (Face à Face), Paris

Das Projekt „LOOP“ befasst sich mit der grundlegenden Fragestellung, wie im textilen Bauen aus einzelnen Grundelementen additiv flächige Strukturen gebildet werden können. Gleiche, in Größe und Form sorgfältig entwickelte Elemente nehmen Bezug auf die Art und Weise, mit der sie untereinander verbunden werden. Die Geometrie, das Material und das Prinzip der Fügung bedingen sich gegenseitig. Das vermeintlich einfache Grundprinzip überrascht durch die Bandbreite der möglichen Gestaltvarianten. Ein eigenwilliges Spiel im Erscheinungsbild der Textur wird in Gang gesetzt. Es greift auf die erstaunliche Wirkung zurück, die sich bereits aufgrund der bloßen Wiederholung eines sinnfälligen Objektes einstellt. Assoziationen mit dem Formenspektrum und der Herstellung von Teigwaren sind ein Indiz dafür, dass auf der Suche nach Schönheit ein geeigneter Weg eingeschlagen wurde. Die Maßstabsebene ist so gewählt, dass sie den Betrachter für Detailphänomene sensibilisiert. Damit illustriert der Beitrag einen der charmantesten Wesenszüge textilen Bauens: Einfachheit und Komplexität gleichermaßen in sich zu bergen.

 

electronics
Electronics in non-wovens

3. Preis in der Kategorie Material Innovationen

Bjorn Van Keymeulen, Ghent University (UGent) and imec

Der Wettbewerbsbeitrag „Electronics in non-wovens“ ist ein hybrides Material, das ein Gewebe unterschiedlicher Funktionsträger zwischen zwei Folien einbindet. So werden leitende und sensorisch aktive Fasern mit flächigen Lichtquellen zu einem Netzwerk verwoben und durch die Folien zusammengehalten und isoliert. Das Material kann an jeder beliebigen Stelle zertrennt werden, ohne seine Funktionen zu verlieren. Die Jury honorierte den Beitrag zur Erforschung multifunktionaler Materialien insbesondere, da jeder Schritt zur Herstellung des Materials mit konkreten Industriepartnern erprobt und umgesetzt wurde, also auch die Realisierbarkeit umfassend untersucht wurde. Der nächste Schritt wäre nun, mögliche Anwendungsbereiche und den Nutzen des Materials zu erschließen.

 

BreathingFabric Foam©

Lobende Erwähnung in der Kategorie Mikro-Architektur

Sevda Acikgöz, Marieke Brehm, Theresa Büschers, Deniz Degirmenci, Christina Frey, Elder Gorreja, Carsten Goy, Michele Haas, Gökce Kursun, Sandra Lavin Grande, Anna-Mira Lüssow, Andre Mönner, Damla Sariidris, Andre Sytschow, Selin Türk: all Frankfurt University of Applied Sciences

Gewöhnlich wird ein hoher Aufwand betrieben, um Makrostrukturen zu verkleinern und somit weniger prägnant oder weniger sichtbar zu machen. Mit dem hier ausgezeichneten Projekt „Fabric Foam©“ wird die Mikrostruktur eines geknüpften oder gestrickten Gewebes in eine Makrostruktur überführt. Ausgangspunkt dieses faszinierenden Experiments war die Suche nach materialgerechten Strukturen für ein Komposite-Material, d.h. ein Verbundbaustoff aus einem umhüllenden textilen Schlauch mit ausgeschäumtem Inneren. Der als erster Schritt verwirklichte Pavillon ist mit seinem Gewicht von 65 kg bemerkenswert leicht. Doch noch beeindruckender ist die Struktur, die aus diesem Ansatz entstanden ist: Ein Makroflechtwerk mit einer ganz eigenen Faszination. Es ist ein Indoor-Pavillon oder doch eher eine Raum definierende Skulptur. Es ist diesem Ansatz zu wünschen, weiter entwickelt zu werden, sowohl in Bezug auf die Faszination dieser Makrostruktur als auch auf die zugrundeliegende Idee des „Fabric Foam©“. Der hier gezeigte Pavillon kann als erster „Makro-Schritt“ in diese Richtung gesehen werden.

 

 
 
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